Widerstandsdekade selber bauen – Frage zu Widerständen

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Widerstandsdekade selber bauen – Frage zu Widerständen

Von guitarman am 05.10.2012 01:09

Moin,

ein Bekannter hat mich gefragt, ob ich ihm eine Widerstands-Dekade bauen kann. Die Dekade wird für eine Kfz-Werkstatt zur Fehlersuche gebraucht.
Wenn z.B. im Fehlerspeicher ein defekter ABS-Sensor angezeigt wird, wird der Sensor abgeklemmt und durch die W.-Dekade ersetz. Wird der Fehler dann nicht mehr im Fehlerspeicher angezeigt, können andere Teile bei diesem Fehler ausgeschlossen werden. (natürlich nur ein Beispiel, zum eingrenzen von Fehlern wird die Dekade ebenfalls benötigt)

Da die Widerstandswerte sehr gering sind, sollen zehn 0,1 Ohm Widerstände in Reihe geschaltet
und mittels Drehschalter angewählt werden, ähnlich wie auf diesem Bild:
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/9/93/Widerstand-Dekade.svg/200px-Widerstand-Dekade.svg.png
So können Werte von 0,1 Ohm bis 1,0 Ohm eingestellt werden.

Frage ist jetzt, welche Widerstände dafür benutzt werden können. Ich habe bei Reichelt folgende ausgesucht:
Hochlast-Draht-Widerstand, axial, 2 Watt, 10%, 0,10 Ohm (Link)
Mir ist klar, dass die Werte mit 10% Toleranz sehr dicht beieinander liegen aber so wird es gewünscht.

Die Dekade wird überwiegend für PKW bei 12 Volt eingesetzt, evtl. auch mal für Trecker oder LKW mit 24 Volt .

Kann ich die oben genannten Widerstände dafür benutzen?
Oder muss ich da noch etwas beachten und evtl. andere Bauteile verwenden?

Bin für jeden Hinweis / jede Hilfe dankbar.

Gruß
guitarman

Von loetadmin am 05.10.2012 06:39

Eine Widerstanddekade kannst Du auf diese Weise sicher bauen.


Zur Belastbarkeit der Widerstände:

Wenn Du mit einem 1 Ohm Widerstand an 12 V rangehst, fliessen 12 Ampere.

Das bedeutet eine Leistung von 144 Watt.

Noch schlimmer wirds, wenn Du mit einem 0.1 Ohm an die 12 V rangehst, das wird explodieren.

Ich nehme aber an, dass der Widerstand nur in einem entsprechenden Stromkreis benutzt wird, in welchem der Strom auf ungefährliche Werte begrenzt ist. Bei 2W 0.1Ohm Widerständen dürfen etwa 4.5Ampere fliessen, dann werden 2 W im Widerstand umgesetzt.

Kommt also drauf an, welche Ströme in diesem Sensor üblicherweise fliessen. Ich glaube aber kaum, dass da permanent einige Ampere durchgehen.

Von guitarman am 05.10.2012 10:16

Moin loetadmin,

vielen Dank für die Hilfe und die schnelle Antwort. Ich bin mal wieder begeistert, wie schnell in diesem Forum geholfen wird
– auch wenn man nur noch so selten hier ist wie ich.

Danke für Deine Berechnungen, da waren meine Bedenken ja berechtigt.
Ich vermute auch, dass in den Sensoren nicht so hohe Ströme fliessen. Werde mal schauen, mit welchen Sicherungen
die entsprechenden Stromkreise abgesichert sind.
Bei einem Fzg. hat es funktioniert, den Sensor mittels eines 21 Watt Blinker-Leuchtmittels zu simulieren.
Wenn ich das richtig sehe, fliessen da dann [theoretisch]:

I = P / U = 21W / 12V = 1,75A


Macht dann für den Widerstand der Dekade:

U = R * I = 0,1Ω * 1,75A = 0,175V

P = U * I = 0,175V * 1,75A = 0,306W


Dann sollte das doch funktionieren, oder?
Macht dann vielleicht Sinn, vor den ersten Widerstand (also direkt am Eingang) eine 4,0A Feinsicherung einzubauen?

Gruß und vielen Dank
guitarman

Von loetadmin am 05.10.2012 10:44

Die Stromberechnung für die 21W Blinkerlampe stimmt zwar, aber eine Glühbirne begrenzt ihren Strom selbst.

Wenn sie kalt ist, ist sie sehr niederohmig, wenn sie bei 12 V voll leuchtet, entspricht das etwa einem Widerstand von knapp 7 Ohm.

Ohne genaue Kenntnis der Spannungsquelle für den Sensor (Spannung, Innenwiderstand, Belastbarkeit) kommt man so nicht weiter.

Von guitarman am 05.10.2012 10:49

Alles klar, dann werd ich mal gucken was ich an Daten in Erfahrung bringen kann.
Ich danke vielmals für die Hilfe.

Ein schönes WE wünscht
guitarman

Von derguteweka am 06.10.2012 18:46

Moin,

Fuer den Einsatz in einer KFz Werkstatt halt' ich diese Widerstaende fuer ein paar Nummern zu schwaechlich mit popeligen 2W Belastbarkeit. Genauso auch den Stufenschalter. Da wuerde ich einen mehr"etagigen" nehmen, also nicht 1x12 sondern 2x12 oder 3x12 Kontakte und die jeweils parallel schalten.
Eine Sicherung waere zwar elektrisch ne gute Sache, erscheint mir aber fuer Werkstatteinsatz nicht sehr praktikabel. Die fliegt immer dann raus, wenn mans garnicht brauchen kann und dann wird sie ueberbrueckt...

Gruss
WK

Von guitarman am 08.10.2012 08:33

Moin WK,

da hast du wohl Recht, ich habe das Ganze wohl etwas unterschätzt, vor allem die Leistung.
Da müsste wohl etwas wie diese 25 Watt Metall-Drahtwiderstände zum Einsatz kommen.
Das ist preislich natürlich eine ganz andere Hausnummer.

Mit der Vorsicherung hast du auch Recht, gerade in einer Werkstatt – so weit hatte ich nicht gedacht, danke dafür.
Eventuell könnte man da einen 12 Volt Kfz-Sicherungsautomaten einbauen.

Ich glaube ich lass die Finger davon, hab das wirklich unterschätzt.
Aber kannst du mir noch kurz erklären, warum du einen Drehschalter mit mehr als einer Ebene benutzen und diese parallel schalten würdest?
(Vermutung: Kontaktoberfläche wird vergrößert >> der Schalter kann größere Last schalten.)

Gruß und Dank
guitarman

Von derguteweka am 13.10.2012 22:02

Moin,

Genau richtig vermutet.

Gruss
WK

Von guitarman am 14.10.2012 12:18

...wieder was gelernt Very Happy
Danke für die Antwort.

Schönes WE,
guitarman

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